Harry Marte & Little Prayers
New album release Little Prayers
Available on 22. october: cd/lp with free download code, published by CrossCut Records
Listen Tour Press
15 NOV 2017
ORF Landesstudio
16 NOV 2017
Saumarkt
18 NOV 2017
Kammgarn
24 NOV 2017
Bärenkeller Aarburg
30 NOV 2017
Casino Baden
01 DEZ 2017
Altes Kino
22 FEB 2018
Spielboden
23 FEB 2018
Göfis Kulturverein
24 FEB 2018
Bahnhof Andelsbuch
Harry Marte Little Prayers

Und noch ein Vorarlberger Urgestein: Harry Marte: Er singt für die Außenseiter, Zweifel und Zuversicht, für und über die Liebe. Der Staub der Straße wurzelt in den Songs. Kleine Gebete. Der Musik bleibt das Rudimentäre ihres Schöpfers erhalten. Wurzelmusik aus den Appalachen, dunkel tickende Voodoo-Sounds, eine Polka driftet leicht betrunken durch die Takte, alles in schöne Melodien/Grooves gegossen. Beste Country/Rhythm and Blues/Singer/Storyteller Schule. Harry Marte singt in der Tradition von Woody Guthrie oder Johnny Cash, seine Lyrics sind poetisch und schnörkellos. Little Prayers verströmt Comfort und Wärme. Little Prayers ist eine große Produktion, deren Sound mit jeder Faser angenehm an die ruhige Hand eines Daniel Lanois erinnert. Gitarren, Baß, Viola da Gamba und Percussion sind aus einem Guss. Michael Köhlmeier sagt über Harry Marte: "Wen er nur einen Ton singt, ist es wie eine Ankündigung, gleich werde er ein großes, berührendes Leben erzählen.

„Little Prayers“: Harry Martes brüchige Americana

Weit ist der Horizont dieser Songs, und groß ist das Herz dieses Songwriters. Harry Marte ist eine Entdeckung.
Der Staub der Prärie weht durch diese Songs, da heult eine Gitarre wie ein Kojote, und die markante Stimme von Harry Marte, brüchig, stark und filigran zugleich, erzählt Geschichten von Liebe und Verlust.
„Little Prayers“ (CrossCut Records) nennt der Singer/Songwriter aus dem Voralberg ganz bescheiden sein hörenswertes Album mit elf kunstvoll arrangierten Songs in der Americana-Tradition.
Marte hat viel erlebt, vielleicht auch erlitten, und diese Erfahrungen hört man seiner Stimme an. Fast feierlich klingt sein Opener „I Will“, ein Bekenntnis zu den eigene Werten als Künstler. Aber dieser Harry Marte ist kein depressiver Moralapostel. Federleicht klingt sein wunderbar swingender Lovesong „Give Me A Night“: „Lay your sweet heart into mine/without speaking a word“. Und so innig klingt auch „Holy Blood“, eine Beschwörung der magischen Kräften in der Natur. „See the ancient river/he knows the secret of your name“, und gerne folgt man den Windungen des ungebundenen Flusses („unchained river“), dem der Songwriter sich anvertraut.
Das sind starke, charaktervolle Songs aus dem Geiste des American Songbook und der Roots Music. Und Marte kann sich auf eine profilierte Band verlassen. Drummer und Produzent Alfred Vogel hält die musikalischen Fäden in der Hand, unterstützt von Gitarrist Marco Figini und Chris Dalhgren am Bass. Die drei bauen ein stabiles Haus für Martes Lyrik. Hörenswert.

Alpenländische Americana und Berlin, Berlin, Berlin

Leipziger Volkszeitung

Jazzbassist Chris Dahlgren singt mit Reibeisenstimme, Harry Marte hat Dylan und Woodstock im Blut mit Südstaatenfeeling: Sänger und Gitarrist Harry Marte.
Damit war nicht zu rechnen. Der amerikanische Jazzbassist Chris Dahlgren, den man aus Bands von Anthony Braxton, Joe Lovano oder Herb Ellis kennt und vor allem auch aus Kalle Kalimas robustem Trio Johnny La Marama, outet sich als Sänger, und zwar als einer, der seinen Leonard Cohen und seinen Donovan kennt und ihnen nun seine Reibeisenstimme hinterherschickt. Irgendwie kam diese späte Liebe sogar für ihn selbst überraschend. Seit 2003 lebt Dahlgren in Berlin, wo er an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“Ensemblespiel lehrt.
Nun macht er es manchmal allein, schnallt sich die akustische Gitarre um oder unterstützt sich auf der Viola la Gamba. Manchmal aber stehen ihm exponierte Jazzkollegen wie Gebhard Ullmann und immer wieder der Vorarlberger Schlagzeuger Alfred Vogel zur Seite. Backgroundsängerinnen turteln „Easy, Easy, Easy“oder auch nur „La, la, la …“, und tatsächlich hat das alles etwas umgarnend Leichtes, wie das durch neun selbst komponierte und getextete Songs schwebt. Mit einem kleinen Buchstabendreher, der nichts mit dem indischen Linsengericht zu tun hat, nennt Dahlgren sein Singer-songwriter-album „Dhalgren“. Vielleicht will er sich damit ein bisschen tarnen vor seinem Mut, einfach nur er selbst zu sein. Vielleicht hatte er auch genug davon, als Bassist in der zweiten Reihe zu stehen. Wie auch immer, nun tritt er nach vorn, und das alles ist schön anzuhö- ren, weil es in so komplettem Understatement gar nicht ambitioniert ist.
Mal erinnert das an die großen Vorbildsänger, mal ist eine Prise Jazz drübergestäubt. Dann klingt es nach einem verruchten Club und der Bass richtig nach Holz. Schließlich dreht sich im Zentrum des relaxten Albums alles um „Berlin, Berlin“, die Stadt und ein Leben dort, wo Dahlgren immer noch den Eindruck hat, „in den Ferien zu sein. In New York war das niemals so. Berlin ist dermaßen entspannt, ich kann es bis heute kaum fassen.“Hier muss man nicht Sklave des eigenen Überlebens sein wie auf der anderen Seite des großen Teichs. „Hier wirst du schnell auch mal ein bisschen müde und träge.“Also pfeift er auf den alten Sinatra-song „New York, New York“und bremst ihn runter zu „Berlin, Berlin“.
So driftet er neben dem rumpelnden Schlagzeug Alfred Vogels durch die Metropolen und Gefühlszustände, meint das alles nicht gar zu ernst und zwinkert seinen Hörern in die Ohren. Auf Vogels Label Boomslang Records ist dieser musikalische Seitensprung erschienen. Der liebt dieses ein wenig andere, hat schon ordentlich Verrücktes veröffentlicht aus seiner „Vogelperspektive“. Christian Lillinger war regel- mäßig dabei, Lucien Dubuis, Barry Guy, Peter Evans, Mats Gustafsson und viele mehr. Immer wieder anders macht er die Provinz zu seinem Zentrum der Welt.
Aus seiner österreichischen Alpennachbarschaft stammt Sänger und Gitarrist Harry Marte. Für ihn sind wettergegerbte Americana-songs das Kerngeschäft. Mit Dylan und Woodstock im Blut schreibt er seine Lieder und gibt ihnen vom Leben beglaubigte Texte. Neben dem schrundigen Gitarristen Marco Figini komplettieren Vogel und Dahlgren seine aktuelle Band auf seiner wunderbar erdigen neuen CD „Little Prayers“. Sie machen das delikat und im Dienste der Sache, die von Männerschmerz, Albträumen, Unterwegssein und der Suche nach Liebe handelt. Außenseitersongs sind das, melodiös, schmachtend und bekenntnishaft sehnsuchtsvoll auch im sechzigsten Jahr des Sängers.
Aus den Alpen geht die Reise nach Texas und überhaupt über die amerikanischen Highways. Gar nicht aufgesetzt wirkt das, sondern vielmehr authentisch beseelt. Das Südstaatenfeeling wird getragen von schwelgerischer Musik. Und weil die exzellenten Begleiter diese kleinen Globetrotterpredigten des Sängers subtil aufrauen und vorantreiben, ist das mehr als einfach nur noch ein Singer-songwriter-album. Das bleibt konzentriert auf das Wesentliche und umspielt es sanft und nachdrücklich.

Chris Dahlgren: Dhalgren. Boomslang Rec/galileo MC; Harry Marte: Little Prayers. Crosscut Records/in-akustik

Der Wunsch, sich zu verlaufen, ist da

Vorarlberger Nachrichten

Harry Marte hat mit „Little Prayers“ eine neue CD produziert und startet eine längere Konzertserie.
SCHWARZACH „Wenn ich dann auf der Bühne stehe, denke ich manchmal, dass es wohl besser gewesen wäre, wenn ich mich im Wald verlaufen hätte“, erzählt Harry Marte, der Grafiker und Musiker, für den man sich wünscht, dass ihn dieses Gefühl nicht mehr, oder wenn schon, dann nur noch ganz kurz befällt. Denn vom weiteren Wunsch, nämlich, die Lieder, die er schreibt, nach außen zu tragen, profitiert das Publikum seit Jahren. Es hat ohnehin lange warten müssen, bis nach „Angel Wings“ oder der besonders erfolgreichen Produktion „Big Pit“ wieder etwas kommt. Dieses Mal hat er mit Marco Figini (Guitar), Chris Dahlgren (Bass) und Alfred Vogel (Drums, Percussion) zusammengearbeitet. „Alfred ist der Motor, er kann die Menschen begeistern“, sagt Harry Marte über seinen Kollegen, seinen Freund, der die Veröffentlichung vorantrieb und die Formation mit den namhaften Musikern zusammenbrachte. In einem Klima der gegenseitigen Wertschätzung konnte etwas Gutes entstehen, das nicht selten bei Spaziergängen im Wald seinen Anfang nahm, „beim Streunen“, wie Marte seine Methode, den Kopf frei zu bekommen, nennt.
INNEHALTEN
Manchmal liefert der Alltag die Ideen. Als er in der Silvesternacht einmal unter anderem einer Frau gegenübersaß, die die Frage ihres danebensitzenden Partners, was sie sich denn zum neuen Jahr wünsche, mit „eine Nacht“ beantwortete, war der Text zu „Give me a Night“ schon im Entstehen. Es ist ein Liebeslied geworden, das Martes tiefe Stimme braucht, aber auch die Spur von Melancholie und den vorantreibenden Schlagzeuger im Hintergrund. Auch wenn Marte davon spricht, dass die Zeilen mitunter wie Butter zusammenfließen, dass das Schaffen der Songs also zügig vorangeht, steht außer Frage, dass ihn manchmal auch die Not treibt, eine Lebensnot. „Das heißt nicht, dass ich existenziell gefährdet bin“, wehrt er Fehlinterpretationen ab, aber freilich erzeuge das Leben Wunden, wenn etwa ein Mensch in seinem Umfeld an Krebs erkrankt, wenn er mit dem Sterben konfrontiert ist, oder einfach mit dem Altern. Und das gräbt sich dann auch in seinen Liedern ein, die er erst gar nicht von Melancholie freihalten will, wobei er Melancholie aber nicht mit Depressivem verbunden haben will. „Melancholie ist etwas Schönes, ich brauche sie“, sagt er. Sie steht für ihn auch für das Innehalten.
Die Skurrilität des Alltags führt ebenfalls zu Songs. Als er einmal erst gegen Morgen nach Hause kam, den Geruch von Frittieröl und Rauch an sich feststellte und somit den Kopf unter die Brause hielt, habe er festgestellt, wie ihm das Gesicht sozusagen in die Badewanne fiel: „Wenn man sich nach vorne beugt, kommen die Falten erst so richtig zum Ausdruck.“ Ein ernüchternder Anblick sei das auch für ihn gewesen, den Musikpoeten, von dem das Publikum weiß und nun erneut erfahren kann, dass er bei allem Sinn für Tagträumereien die Realität nicht aus den Augen verliert. Auch davon handelt „Little Prayers“. „Wenn ich den ersten Ton der Band höre, kippe ich hinein“, beschreibt Harry Marte, der Grafiker, der zum Musiker wurde, das Ablegen der Scheu auf der Bühne. Die Konzertserie beginnt, dieses Hineinkippen wird voraussichtlich wohl oft passieren und beim Anhören der neuen CD erfährt man gern, dass das Ensemble noch Weiteres vorhat.

VN: Christa Dietrich

Es ist – spät in diesem Jahr

MAZ-Konzerttipp

– einer dieser raren Glücksmomente, die einem zwar nicht den Glauben an die Menschheit, wohl aber den an die Gilde der Songwriter zurückgeben. Und das verdanken wir Harry Marte. Er kommt tief aus dem Westen – Österreichs. Ein knorriger, dabei nahbarer Typ mit einem tiefen Bariton, dem man die vom Leben mit mancher Härte gezeichneten Stories, seine kleinen Gebete und sein Ringen um aufrichtiges Erzählen sofort abnimmt. Ohne einen leisen Zweifel. Dabei klingt Marte, in seinem sechsten Lebensjahrzehnt, nicht so sehr nach dem Westen mit den staubigen Wüsten Amerikas. Aber auch das. Vielmehr würde man seine Herkunft eher in der Nähe der beiden großen Texaner vermuten. Und ja, damit ist es an der Zeit, noch einmal von Townes Van Zandt (1944–1997) und Guy Clark (1941–2016) zu sprechen, beide miteinander befreundet. Marte segelt sozusagen in ihrem Fahrwasser. Doch er paddelt auch durch die Everglades tief im Süden – Floridas. Der Folk-Blues von Harry Marte klingt schlicht wahrhaftig. Doch schlicht niemals. Denn seine gewieften Begleiter stehen da nicht zurück. Aus dem Jazz kommen sie, kennen sich aus mit den Stimmungen, der dunklen Wälder in den Appalachen, mit verloren taumelndem Walzer und dramatischen, schiefen Kontrasten wie es mitunter nötig scheint.